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Gitta

Gitta

Gitta

gest. 28. August 2003

Es gibt nicht nur Menschen, die man nicht vergißt

Gitta z. B. war so ein Partner. Haflinger ihres Zeichens. Vom sog. alten Schlag, also kräftig, schon ein bißchen eigenwillig, aber - und dies hauptsächlich - eine ausgeprägte Persönlichkeit.

1972 am 23. Mai wurde sie geboren.

1975 an Dr. Braun aus Tuching für dessen Kinder verkauft.

1976 brachte sie ein gesundes Hengstfohlen zur Welt

Im gleichen Jahr entdeckte Dr. Braun seine Liebe zu den Arabern. Von Prof. König erhielt er die zwei Stuten: Maschari und Falia. Er verkaufte das Hengstfohlen von Gitta. Von seinen Kindern, die sehr viel in meinem Stall waren und bei mir auch geritten sind, bedrängt, über gab er mir Gitta zu treuen Händen.

Gitta
Gitta

1977 mußten für den Koppelbau Stangen im Wald geschnitten werden. Gitta bekam ein Kummet um den Hals gelegt und schleppte so selbstverständlich, als hätte sie nichts anderes jemals gemacht, die Holzprügel zum Verladeplatz neben der Fahrstraße.

Gitta
Gitta
Unter dem Sattel gelehrig, nervenstark und nicht nachtragend, nahm sie vielen Kindern Angst und Verkrampfung. Bei der dressurmäßigen Arbeit bestach Gitta durch besondere Gelassenheit. Mangelnden Raumgriff in der Trabbewegung ersetzte sie durch beachtenswerte Präzision bei den einzelnen Lektionen.

Die ersten Turniererfolge in Konkurrenz mit teuren Privatgroßpferden stellen sich ein.
Beim Turnier in Langenbach wurde folgendes Gespräch am Richterturm belauscht:

"Richter Gube: Du kannst doch den Haflinger nicht vor die Großpferde setzten.
"Richter Huber jun.: Es war aber doch mit Abstand der beste Ritt. Ich würde das Paar an die erste Stelle stellen."

Nach einigem Hickhack erkannten sie Gitta den zweite Platz zu.

Bei der Siegerehrung in Moosburg mit einem ersten Platz in der Dressur stellte sich die Mannschaft zur Siegerehrung auf und Gitta als Siegerin ganz außen am rechten Flügel. Unbeeindruckt von der feierlichen Handlung zupfte sie seelenruhig, während ihrer Reiterin gratuliert wurde, Geranien aus dem Zierkübel.

In ihren persönlichen Bedürfnissen ließ Gitta sich nicht gerne einschränken.
z. B. Dressurprüfung in Moosburg: Viola ritt mit Gitta vor großem Publikum im Dressurviereck in einer A-Dressur. Bei der Lektion "Galopp auf dem Zirkel" blieb Gitta plötzlich mitten auf dem Platz stehen, mistete in aller Ruhe, ohne auf Viola zu achten, die wie wild vorwärtstreibend im Sattel arbeitete und werkelte, galoppierte dann aber, nachdem sie ihr ganz persönliches Geschäft verrichtet hatte, vom Fleck weg weiter. Die erheiterten Zuschauer hatte Gitta natürlich allesamt auf ihrer Seite.

Gitta in der Gruppe
Gitta
Ein sehr gutes Gespann waren all die Jahre auch Ingeborg und Gitta. Beide verstanden sich ausgezeichnet. Gitta dankte die gute Fürsorge auf ihre Weise. Sie ließ Ingeborg bei all den Turnierprüfungen nie im Stich und verhalf ihr zu vielen Siegen und Plazierungen.
Gitta
Gitta

Über eine Besonderheit Gittas sollte unbedingt geredet werden:

über ihre Schwimmkünste

An schönen Sommertagen ging ich mit den Kindern und den Pferden zum Baden an die Amper.
Angrenzend an unsere Koppeln machte die Amper einen Bogen. Auf unserer Seite ergab dies einen einladend flachen Einstieg. Zur gegenüberliegenden Seite hin führte er allmählich in die tiefere Region. Dort war das Flußbett so tief, daß die Pferde schwimmen mußten. Die flotte Strömung nahm sie mit, bis sie nach etwa 200 Metern wieder festen Kiesboden unter den Füßen hatten und zum Einstiegsort zurückkehrten.

Gitta, die gerne ins Wasser ging und darin planschte, begnügte sich nicht damit, zu paddeln. Mit sichtlichem Vergnügen tauchte sie vollkommen unter und tauchte zum Schrecken ihrer Reiterin, erst nach mehreren Metern wieder auf. Nachdem sie diese Vorstellung immer wieder gab, wußte ich, daß es nicht nur eine zufällige Laune war.

Gitta

Bei allen Überlandritten war Gitta natürlich immer dabei.
Solange der Weg von zu Hause weg führte, trottete sie ganz am Ende der Abteilung. Manchmal mit erheblichem Abstand. Bei längeren Galoppstrecken passierte es oft genug, daß sie weit hinten blieb und durch nichts zu bewegen war, ihr Tempo der Gruppe anzugleichen.
Sobald nach Tagen, selbst wenn wir über hundert Kilometer von zu Hause entfernt waren, die Marschrichtung der Heimat zustrebte, überholte sie mit großem Eifer die ganze Truppe und übernahm an der Spitze die Führung mit den vorderen Pferden. Auch das Galopptempo bedeutete keine Schwierigkeit mehr.
Sie hatte halt ihren eigenen Kompaß im Kopf und zeigte uns genau, daß wir nunmehr ihr Einverständnis hatten.

Gitta
Gitta

1984 zog Gitta mit uns in die Brandau um.

Sie erhielt eine Boxe vor dem hinteren Stallausgang, der selten benutzt wurde. Der Vorteil lag darin, daß es ein absolut ruhiges Plätzchen war. Der Nachteil, daß sie bei der Futterausgabe immer die Letzte war. Anständig wie sie war, ertrug sie dies ohne Scharren und Klopfen. Nur, manchmal konnte man beobachten, daß ihr Geschmacksfäden aus dem Maul sabberten und Kaubewegungen ihre Ungeduld zeigten.

Mit einigen Ausnahmen war Gitta bei Kindern und Erwachsenen, besonders aber bei Anfängern, sehr beliebt. Besonders Kinder haben es ihr angetan und sie paßte regelrecht auf sie auf.

In den Vorschriften für den Reiterpaß und für das Reitabzeichen steht geschrieben, daß die Prüfungen auf einem "geeigneten" Pferd zu absolvieren seien.
Bei Gitta hätte stehen müssen, daß sie manchen "wackeligen" Reiter so durch die Prüfung getragen hat, daß er bestanden hat.

Gitta

Bei Erwachsenen war sie bei der Verteilung ihrer Gunst wählerischer. Wen sie liebte, konnte man ganz deutlich erkennen. Selbst wenn seine reiterlichen Fähigkeiten schwach waren, zeigte sich Gitta willig und machte überall mit.
Jeder, der ihre Zuneigung verscherzte, konnte sich noch so anstrengen, sie ließ ihn buchstäblich verhungern.

So kam einmal ein etwas älterer, elegant gekleideter Student aus Weihenstephan in unseren Stall. Mit "coolen" Bereiterausdrücken erklärte er forsch was er im Allgemeinen von den "Zossen" halte. Eigentlich sei er gewohnt, richtige "Kracher" unter seinem Hintern "knacken" zu lassen.
Mangels fehlender Feinfühligkeit spürte er nicht, wie sich alle allmählich abwendeten. Auch hörte er nicht das leise Knistern, das immer dann entsteht, wenn sich stachelige Haare im Innern der Zuhörer aufstellen.
Was soll ich sagen: Dieser Fall konnte elegant eigentlich nur von unserer Gitta gelöst werden.
Andi wäre nicht Andi gewesen, hätte sie auch nur einen Augenblick bei der Pferdezuteilung für den Studiosus gezögert.
Als dieser hörte, wen er in der kommenden Stunde reiten sollte, fragte er entsetzt, ob man ihm dieses "Deichselschweinchen" zumuten wolle. Als ihm dann noch mitgeteilt wurde, daß er seine glänzenden Sporen abschnallen müsse, wanderte er sichtlich geknickt hinaus auf den Reitplatz.
Gitta, die, wie wir wußten, einen sechsten Sinn für solche Situationen hatte, brillierte und präsentierte sich in Höchstform. Was bleibt noch zu sagen ? Der stolze Reiter, der nur gewöhnt war, Kracher zu reiten, verhungerte total auf Gitta. Der stolze Reiter stieg nach einer halben Stunde empört vom Pferd und ließ es einfach stehen. Natürlich schimpfte er über Gitta, die kein Pferd, sondern eine Zumutung sei. Als ein kleines Mädchen Gitta in allen Gangarten vorstellte, verschwand der elegante Herr und ward nie mehr gesehen.

Gitta
Gitta

Gitta hatte ein ausgeprägtes Zeitempfinden, das sie unbestechlich und pünktlich einsetzte. Eine normale Reitstunde dauert exakt 45 Minuten. Pünktlich nach 45 Minuten, selbst wenn der Ausbilder nichts dergleichen anordnete, marschierte Gitta auf der Mittellinie auf, ohne daß der Reiter auch nur das Geringste dagegen tun konnte.

Gitta
Gitta
Anders bei der Reittherapie am Dienstag. An diesem Tag endete die Unterrichtseinheit nach 30 Minuten. Dies gefiel unserer Gitta natürlich. Am nächsten Tag demonstrierte sie beim regulären Unterricht, daß diese Zeiteinteilung ihre Zustimmung fand und blieb schon nach 30 Minuten stehen. Nur widerwillig ließ sie sich zu 45 Minuten überreden.

Die Tochter von Herrn Dr. Pirkelmann, der uns manchmal in Pferdeangelegenheit besuchte, ging in den Kindergarten in Pulling. So kam es, daß er uns bat, im November den dortigen St. Martinszug anzuführen. Seitdem gehörte diese Veranstaltung zu den alljährlichen Aufgaben, die Gitta schon alleine deshalb gerne erfüllte, weil sie gehörig mit Leckerlis verwöhnt wurde.

Gitta
Gitta

Im verschneiten Winter wurde Gitta vor den Schlitten gespannt. Weil der Weg von einem Stall zum anderen nicht befahrbar war, zog sie Futter und scheppernde Mülltonnen. Den Kindern bereitete es immer ein besonderes Vergnügen, wenn Gitta vor einer Reihe von Rodelschlitten durch den staubenden Schnee trabte. In zu engen Kurven konnte es schon passieren, daß die lange Kette mit den eingemummelten Kindern darauf umkippte und lauter kleine Schneemänner kreischend und lachend umhersprangen.

Gitta Gitta

1995 verließ Gitta mit uns endgültig Bayern.

Das hügelige Land über der Saale in Thüringen wurde ihre neue Heimat. Ich glaube, es hat ihr gut gefallen. In Zöthen geht oft ein leichter Wind. Im Gegensatz zur Brandau gibt es kaum lästige Fliegen, Mücken oder Bremsen. Die Stalltüre stand immer offen, sodaß bei zu großer Sonnenhitze Schatten und Kühle aufgesucht werden konnten.
Zusammen mit Welsh-Ponies bewohnte Gitta nachts ein großes Freilaufabteil in unserem Stall. Sie hat sich dort ihren festen Platz mit Flankenschutz ausgewählt und auch erfolgreich verteidigt.

Mit zunehmendem Alter ergraute ihre Stirn unter dem Schopf und der Hals unter der Mähne.
In den Reitstunden, in denen kleine Kinder ihr therapeutische Bewegung verschafften, verstand sie es, ihre Kräfte maßvoll einzuteilen.
Ihr Rentnerdasein verbrachte Gitta hauptsächlich auf der Koppel. Den Übermut der anderen Pferde teilte sie nicht mehr. Meist schlenderte sie abends als Letzte zurück in den Stall. Mit großer Vorliebe stellte sie sich vorher über einen Baumstamm, der als Übungssprung auf der Wiese lag und kratzte sich durch Schaukelbewegungen vor und zurück genüßlich den Bauch.
Trotz Arthrose an den Beinen blieb sie bis zuletzt eine ganz besondere Persönlichkeit.


Am 28. August 2003 ist Gitta gestorben.


Sie hat in ihrem sehr langen Leben einer Menge Kinder sehr viel Freude bereitet.
Ich bin sicher, sie wird in den Herzen dieser Menschen weiter leben. All die schönen Erinnerungen werden wie Blumen ihr Gedenken schmücken, auch als Dankbarkeit für eine schöne Kindheit in ihrer Gesellschaft.

Gitta

 

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