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Kasi

Kasi

Kasi

gest. 22. Oktober 2003

Gar mancher bringt ein Kind zur Welt,
der dies für gar nicht einfach hält.
Doch wieviel schwerer würd’s ihm werden,
versucht´ er dies auch mal bei Pferden.

Dieses Gedicht verfaßte nach der Geburt von Kasimirs Urgroßvater meine Nichte Johanna. Kobi, eben jener Urgroßvater, war "mein" erstes Fohlen. Wie man also sehen kann, ein sehr bemerkenswertes Ereignis. Ich erwähne dies deshalb, weil ich damit auf die verwandtschaftliche Beziehung der Pferde aufmerksam machen möchte, die ich später näher erläutere.

Kasimir, der allseits nur liebevoll „Kasi“ genannt wurde, war der erstgeborene Sohn von Alfi. Erstlings- und Einzelkinder, so sagt man, sind viele Jahre als solche zu erkennen. Einerseits sind sie Versuchs- oder Übungskinder. Andererseits empfinden sie zu große Aufmerksamkeit und Bevormundung lästig und überflüssig.

Bei Pferden ist das anders. Dies nur nebenbei und auch weil es bei Kasi nicht zutraf.

Kasi Die Abstammung von Kasimir hatte für mich eine besondere Bedeutung:

Er wurde 1979, am 13. Mai geboren. Seine Mutter: Alfi aus der Trakehner Amorlinie, sein Vater: mein Hengst Joschi.

Dazu bedarf es einer besonderen Anmerkung:
also: Mein damaliger Hengst Joschi war der Sohn von Rosenmontag (später umbenannt in "Iris"), die ihrerseits die einzige Tochter von meinem "Kobi" war. Kobi seinerseits war nicht nur der beste Hengst seines Jahrgangs in Bayern sondern für mich ein ganz besonderes Pferd. -- Ihn habe ich aufgezogen und mit ihm verstand ich mich ausgesprochen gut. Außerdem hat er mir sehr viel gelernt. Er ist auf meinem persönlichen Briefkopf und auch auf unserer Homepage immer noch vertreten. -- So – und Kasi war sein, wenn auch nur entfernter, - Enkel.
Alfi und Kasi

In Gesellschaft von Kindern fühlte sich Kasimir wohl und vertraut. Zwar ein munteres Kerlchen, übermütig und lustig. Wie halt Fohlen so sind. Im Umgang mit Kindern eher ruhig und freundlich.

Kasi und Wiggerl
Kasi

Während der ersten Lebenswochen allerdings zeigte sich Alfi als "Übermutter" und verhinderte die Kontaktaufnahme mit ihrem Kind auf ihre dezente, aber bestimmte Weise. Mit ihrem mächtigen Körper schützte sie ihr Fohlen, indem sie sich davor hinzwängte. Nur zwei oder drei ihr wohl bekannte Personen durften sich nah mit ihrem Sohn beschäftigen.
Diese übertriebene Fürsorge legte sich bald und kam nur mehr innerhalb der Herde zum Ausdruck. Die aus Rentabilitätsgründen praktizierte Gepflogenheit, daß Fohlen ab dem 5. Monat der Mutter weggenommen werden müßten, habe ich nie eingehalten.

1979 im September, Kasi war eben vier Monate alt, ging er mit uns auf einen zehntägigen Überlandritt.

Zum Thema Überlandritt sollte ich eine Erklärung abgeben:
Jedes Jahr gegen Ende der großen Ferien, also bei meist stabiler Wetterlage im September, machten wir uns mit ca. 10 (oder manchmal auch mehr) Pferden und etwa 20 Kindern auf den Weg, um unsere bayerische Heimat kennen zu lernen. Zwei bis drei Begleitfahrzeuge, davon eines mit Pferdehänger, in dem das ganze Equipment, also Zelte, Weidezaun, Verpflegung, Futter usw. verstaut war, trafen sich mit den Reitern am Rast- und am Biwakplatz. Vormittags ritt die erste Gruppe. Die zweite Gruppe baute das Lager ab, machte den Biwakplatz sauber, traf sich bei der Pause mit den Reitern und ritt von da ab weiter. Die erste Gruppe suchte sodann einen Lagerplatz für die Nacht und baute dort Zelte und Weidezaun auf, sorgte für das Lagerfeuerholz usw..
Am nächsten Tag, umgekehrte Reihenfolge: Es startete die zweite Gruppe usw.
Gekocht wurde am Lagerfeuer. (Manchmal gingen wir auch zum Essen, wobei Biergärten deshalb bevorzugt wurden, weil dort auch die Pferde dabei sein konnten). Am Lagerfeuer saß die Nachtwache, die jeweils zwei Stunden dauerte. Die Sechsuhrwache mußte füttern, wobei die Vieruhrwache bereits die Futtersäcke gefüllt und vorbereitet hatte. Zur Tränke wurde ohne Sattel und nur mit Stallhalfter geritten. Jeder Teilnehmer hatte seinen Aufgabenbereich, der auch manchmal darin bestand zu erkennen und dort zu helfen, wo Not am Mann war.
So viel in knappen Zügen über unsere Überlandritte.

Also zurück zu Kasimir.
Kasi

Der kleine Kerl hatte sich sehr schnell an den Tagesrhythmus gewöhnt. An den Rastplätzen legte er sich hin, ruhte sich aus und war anschließend wieder topfit. An öffentlichen Straßen wurde er vom Alfireiter geführt und im Gelände lief er mitten in der Herde mit. Geländehindernisse bewältigte er genauso gelassen, wie die anderen Pferde, die es ihm ja vormachten. Im Laufe der Zeit kannte er die Spielregeln und kam auf Zuruf zu seinem Betreuer um sich anhängen zu lassen.

Am Lagerplatz angekommen mußte erst ein ganz bestimmtes Ritual eingehalten werden. Der für Alfi verantwortliche Reiter mußte an erster Stelle das Euter der Stute mit nassem Lappen kühlen. Das war aus gesundheitlichen Gründen für das Fohlen notwendig aber gar nicht so einfach. Kasi bestand vehement darauf, sofort trinken zu dürfen. Wurde er auf der einen Seite gehindert, pirschte er sich auf der anderen Seite an und war empört, wenn es ihm dort auch nicht sofort erlaubt wurde.

Kasi
Die allgemeine Fütterung der Pferde mit Kraftfutter erfolgte aus dem Hafersack. Kasi, der schon seine liegende Ruhestellung eingenommen hatte, ließ sich nicht aus der Ruhe bringen und fraß in dieser Lage seine Portion gemütlich auf. Manchmal fielen ihm dabei die Augen bei einem kleinen Nickerchen zu.
Alfi blieb auch nachts in seiner Nähe, sodaß er sich immer an seiner ganz persönlichen Milchbar bedienen konnte.

Den ganzen Ausflug und auch die in den folgenden Jahren hat Kasimir sehr gut überstanden. Ich bin mir sicher, daß er hierbei, genauso wie übrigens auch die Kinder, viel für sein späteres Leben gelernt hat.

Seine Jugendjahre verbrachte Kasi zusammen mit dem gleichaltrigen Jonathan und mit Ikaro.

1982 erfolgte kurz das erste Anreiten. Auch hier problemlos. Anschließend wieder Koppelgang.
1983 reiterlicher Aufbau. Finden des Gleichgewichts unter dem Reiter. Lernen der Zeichensprache, also der „Hilfen“ im Viereck und auch im Gelände.
Kasi brauchte immer einen geübten Reiter. Seine schwungvollen Gänge, obwohl entspannt und immer schwingend, wollten ausgesessen werden. Es war uns schon klar, daß er nie ein "Schulpferd" für den Anfängerunterricht werden würde. Das war auch gut so und mir gerade recht.

Interessant war seine Rangordnung in der Herde. Er besaß absolute Autorität. Ohne dies durch Auseinandersetzungen beweisen zu müssen, wurde er allseits respektiert. Die einzige Ausnahme war Gawrocs. Hier bestand so eine Art Gentleman-Agreement.

1984 war Vorbereitungsjahr für die Brandau, verbunden mit besonders viel Arbeit durch Umbau- und Umzugsarbeiten.
Es war mir einfach nicht möglich, auch noch einen Überlandritt durchzuführen. So veranstaltete ich "Sternritte". Ausgehend vom Standort Moos führte uns jeder Tag in eine andere Richtung, aus der wir abends wieder zurück kamen.
Kasi war erstmals aktiv dabei.
Er liebte die Ausflüge ins Gelände und zeigte dies durch eine lustige Angewohnheit. Bei jedem Aufgalopp buckelte er, absolut freundlich und heiter während der ersten Sprünge. Er schlenkerte mit dem Kopf und erfreute dann durch seine mächtige, raumgreifende Galoppade.
Eine Schwäche stellte sich allerdings schon damals heraus. In der Regel am dritten Tag bekam er einen Gurtdruck und mußte dann ohne Sattel geritten werden. Meist war Andi die Reiterin, die sich auf ihm auch ohne Sattel wohl und glücklich fühlte.

Kasi im Gelände

Würde Kasi selbst über sein Leben berichten, wäre mit Sicherheit der „Carmina“ ein ganz besonderes Kapitel gewidmet: Carmina war ein Apaloosafohlen.
In einem kleinen, wenig bekannten Zirkus geboren, wurde es viel zu früh, wahrscheinlich mit 3 Monaten, von seiner Mutter getrennt. Irgend so ein Träumer nahm es mit in sein Einfamilienhaus am Rande von Freising.
In seinem etwa 200 qm großen Garten standen drei Apfelbäume und eine Holzbaracke mit vorgezogenem Schleppdach. In der Hütte eine kleine Werkstatt und unter dem Dach der Unterstand für das Fohlen.
Ein reizendes Fohlen übrigens. Liebenswürdig, anhänglich und dankbar für jede freundliche Zuwendung.
Mir tat das kleine Pferd einfach leid. Offensichtlich bemerkte der junge Mann schon, welche Bürde er sich aufgeladen hatte. Es benötigte also keiner großen Reden, um Carmina zu kaufen und in die Brandau zu holen.

Eine eigene Boxe konnte ich nicht sofort bieten und so stellte ich das Fohlen zu dem freundlichen Kasimir. Der hat Carmina sofort adoptiert.
Sie durfte mit ihm aus seinem Futterbarren das Kraftfutter fressen. Auf der Koppel verteidigte und beschützte er es heftig gegen alle anderen Pferde. Manchmal suchte Carmina bei Kasi ein milchgebendes Euter. Es war rührend zu sehen, wie Kasi vorsichtig und sachte das Fohlen mit seinem Hinterbein wegschob. Auf Ausritten lief Carmina frei dicht an Kasi gedrängt, mit. Blieb sie wirklich einmal zurück verlangsamte Kasimir sein Tempo, wieherte und war erst wieder zufrieden, wenn sein Schützling wieder in seiner Nähe war.
Eines Abends, als die Pferde von der Koppel kamen, zeigte Carmina kolikähnliches Verhalten. Der sofort gerufene Tierarzt leitete die Behandlung ein. Nachdem nach einer Stunde keine Besserung erkennbar war, empfahl er die Weiterbehandlung in der Tierklinik.
Dort ist Carmina an Darmverschluß noch in derselben Nacht gestorben.
Was ich bei Pferden noch nie erlebt hatte, passierte mit Kasimir. Er war sichtlich traurig, rührte zwei Tage lang kein Futter an und machte mir ernstlich Sorgen. Noch nach Tagen wieherte er immer wieder, kümmerte sich nicht um die anderen Pferde und stand mit hängendem Kopf draußen auf der Koppel.
Ich muß sagen, obwohl der Vorfall über 15 Jahre zurück liegt, denke auch ich heute noch mit Wehmut an das liebenswerte und von Kasi so heiß geliebte Fohlen.
Ja, das war die traurige Geschichte von Kasimir und seinem Fohlen Carmina.

Kasi
Turniere bedeuteten für mich nicht die Befriedigung von Ehrgeiz oder gar das Jagen nach Schleifen und Trophäen. Ich wollte meinen Reitschülern die Möglichkeit geben, neutrale Beurteilungen von Fachkräften zu bekommen. Jede Prüfungsvorbereitung bedeutete außerdem freiwilliges, konzentriertes Bemühen. Dies wiederum unterstützte nicht unwesentlich meine Arbeit auf dem Reitplatz.
Kasi war mir dabei eine große Hilfe. Er war eigentlich immer dabei. Fortgeschrittene Reiter konnten mit ihm schöne Erfolge und damit weiteren Anreiz in ihrem Sport bekommen.
Kasi bestritt Dressurprüfungen in Riedmoos, Moosburg, in der Moosmühle usw.. Auch im Springen konnte er sich überall sehen lassen. In der Brandau baute ich eine Übungsstrecke im Gelände mit Naturhindernissen. Kasi zeigte sich auch in dieser Disziplin ausgesprochen talentiert. Er schlug sich in der Folgezeit tapfer auf den unterschiedlichsten Vielseitigkeitsprüfungen. So war er z. B. dabei in Massenhausen, auf Gut Schlickenried, in Dachau usw. usw.. Immer mit Erfolg.
Das Ende der Pfingstferien war für uns immer Prüfungszeit. Reiterpaß- und Reitabzeichenprüfungen wurden mit pünktlicher Regelmäßigkeit vorbereitet und abgehalten. Kasimir war immer dabei und präsentierte sich, dank seiner Gelassenheit, immer verläßlich in Bestform.
Kasi

Natürlich war er nach wie vor bei allen Ausritten und bei den alljährlichen Überlandritten dabei.
Ich wußte von anderen Pferden, daß sie einen ausgeprägten Orientierungssinn haben. Ein Test reizte mich jedoch immer wieder.

Bei einem Ausritt ins Ampertal machten wir eine interessante Beobachtung, die ich erzählen muß:
Vier Jahre nach unserem Umzug fuhren wir mit den Pferden im LKW nach Freising und ritten von dort weiter Richtung Feldhof und Haindlfing.
Gawrocs und Kasi gingen vorne am hingegebenen Zügel. Mit dem Eintreffen am Fuße der Amperleiten überließen wir den Pferden vollends die Wahl der Richtung. Zielstrebig schritten sie auf dem kürzesten Weg hinüber zu ihrer etwa 2 km entfernten, früheren Heimat Moos. Ob es ihnen dort besser gefallen hätte, konnten wir dabei allerdings nicht ergründen.

1995 wanderte Kasi mit uns nach Thüringen aus.

Ungewohnt erst mal die neue Umgebung im großen Laufstall und nicht in einer Boxe. Das Anbinden war noch nie so sein Ding. Dort aber weigerte er sich vehement. Nachdem er einige Stallhalfter zerfetzt hatte, wurde ihm der absolute Freigang zugebilligt. Schließlich war dies ja auch nur recht und billig. Sein Benehmen war ja immer ohne jeden Tadel. Im Laufe der Zeit bekam er, was einem älteren Herrn letztendlich auch zugestanden werden muß, seine ganz persönlichen Eigenheiten.
So verdrückte er sich, wenn Kinder zum Putzen kamen, in eine Ecke. Er weigerte sich, wie gewünscht, vorne am Gitter zu stehen. An dem von ihm gewählten Platz jedoch genoß er den Putzvorgang sehr. Bei Kindern waren dies ohnehin eher Ganzkörper-Streicheleinheiten.

Kasi
Kasi

Ausgesprochen lästig, ja geradezu empörend, empfand er die Nachbarschaft von all diesen eigenartigen Exoten. Im Laufe der Zeit besiedelten nämlich, noch dazu neben dem allgemeinen Weg, mächtige Kamele, verdächtig gestreifte Zebras und hochnäsige Guanakos einige Weideflächen.
Außerdem gab es da noch diese ordinär kreischenden Wollschweine. Nicht nur, daß ihre Gegenwart beunruhigte, beleidigte auch noch ihr impertinenter Geruch.
Aber, Gott sei Dank, lernte man im Laufe des Lebens einige Tricks, um gebührenden Abstand halten zu können. Einige Herdenmitglieder, komischer Weise hauptsächlich all die kleinen Ponies, waren weniger sensibel oder auch unverständlich gleichgültig. Sollten sie halt auf dem Heimweg zum Stall Deckung geben und ihm in der zweiten oder dritten Reihe die Zumutung ersparen, zu nahe an diesen eigenartigen Lebewesen vorbeigehen zu müssen.

Sonst zog Kasi die Gesellschaft von Ronny, mit der er sich sehr gut verstand, vor. Es machte ihm allerdings auch nichts aus, wenn er in aller Ruhe mitten auf den weitläufigen Koppeln sein Gras rupfen konnte.

Wie so oft im Leben sind es kleine Ereignisse, die nachhaltige Wirkungen nach sich ziehen.
Aus Freude, endlich aus dem Stall zu kommen, setzte er am Ausgang zu mächtigem Sprung an, rutschte hinten seitlich ab und knallte mit dem Rücken an die Mauersäule, an der das Tor befestigt ist.
Von diesem Tage an ging Kasi lahm.
Der Tierarzt wurde konsultiert. Die Diagnose erschien schwierig und endete in Vermutungen, die einer längeren Beobachtung bedurften. Spätere Ergebnisse waren bedrückend. Die Lahmheit ließ sich immer schlechter orten. Die Bewegungen wurden schleppender und im Laufe der Zeit auf ein Minimum reduziert. Keine schöne Erkenntnis, weil sie weder einen Ansatz für eine Therapie, noch für nachhaltige Hilfe eröffnete.

Am 22. Oktober 2003 ist Kasi gestorben.

Wie sich herausstellte, war eine Niere hart und schwarz wie ein Lavastein. Die dadurch verursachten Schmerzen waren die Ursache für seine ganzen Beschwerden.

24 Jahre gehörte er zu unserem Leben. Eine Bereicherung vieler erlebnisreicher, aber auch stiller und beschaulicher Stunden. Wie das so ist mit all den Lebewesen, die wir liebten und deshalb umhegten, sie leben in uns weiter und das ist gut so.

Kasi

 

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