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Kid

Kid

Kid

v. Krookie

a.d. Belinda II

geb. 12. März 1988

gest. 10. November 2010

Wie so oft im Leben sind die Wege des Schicksals etwas verschlungen. Obwohl ich von Kid, meinem New Forest Hengst, berichten will, hat sich der Araber Hengst Ben vorgedrängt. Schließlich  war er am Einzug von Kid in der Brandau nicht ganz unschuldig Um also den chronologischen Ablauf wahrheitsgemäß vortragen zu können, muß deshalb die Ouvertüre zu Kids Nachgesang mit Arabischer Musik eingestimmt werden.


Von Zeit zu Zeit gingen Andi und ich nach Hallbergmoos ins Gasthaus „Klösterl“ zum Mittagessen. Dort trafen wir, wie so oft, den Händler Baumann. Der  typische „Schmuser“, wie diese Berufsgruppe in Bayern heißt. Obendrein war er ein ganz besonderes, bodenständiges, respektables Original. Sozusagen ein Relikt aus der guten, alten Zeit. Er handelte mit Rindern, Ziegen, Schafen, Frauen und Bauernsöhnen und natürlich auch mit Pferden aller Art. Von ihm erfuhren wir meistens  eine Menge Neuigkeiten aus der Region. Diesmal  auch, daß er ein Araberhengstfohlen zum Verkauf in seinem Handelsstall stehen habe.
Meist entwickelte sich bei so einem Treffen eine witzige, lustige Unterhaltung. Baumann hatte nämlich neben allen möglichen Angeboten, trotz fortgesetzter deutlicher Ablehnung der beiden Frauen, die Hoffnung Andi und Ingeborg an heiratslustige Klienten verkuppeln zu können. Allein die Art, wie er seine Kandidaten anpries, war erheiternd und wäre ein geeigneter Stoff für ein Bauerntheater gewesen.

Diesmal hatte er, wie gesagt, einen Araberhengst Absetzer abzugeben. Abstammungspapiere existierten nicht. Die Eltern des Pferdes konnten im Landkreis Freising besichtigt werden und der Preis war äußerst günstig. Wieder einmal so ein Angebot, das zu verlockend war, um es auszuschlagen.
So kam jedenfalls nach wenigen Tagen der erste, reine Araber zu mir in den Stall. Einen Junghengst, ohne gleichaltrige Gesellschaft, groß zu ziehen, ist keine gute Lösung. Eine so frühe Kastration war auch nicht gerade wünschenswert. Welche Lösung uns einfallen mußte, war auf wenige Monate beschränkt.

Mein Wunsch, weiteres, neues Araberblut in meine Herde zu bringen, war durch die Möglichkeit der Zucht mit eigenen Stuten zu erreichen.
Alfi, die schon einige Fohlen bei mir zur Welt gebracht hatte, bot sich dazu an. Nasrallah, der arabische Hengst der Gräfin Arco in Moos bei Plattling hatte einen sehr guten Ruf und sollte der Vater unseres neuen Fohlens werden. Andi und ich brachten also Alfi zur Hengststation der Gräfin Arco nach Moos und übergaben dem Zuchtleiter, Herrn Kampmann, unsere Stute.

Auf der Rückfahrt sahen wir auf einer Koppel bei Sautorn neben der B 11, die damals dort vorbei führte, einige Warmblutpferde mit Fohlen bei Fuß. Das machte uns neugierig. Der Bauernhof des Züchters Unverdorben war schnell gefunden und da sahen wir erstmals das kleine, zwei Monate alte New Forest Fuchshengstfohlen Kid. Selbstbewußt, voller Tatendrang beeindruckten uns sein Charme und sein frecher Auftritt neben seiner ruhigen und freundlichen Mutter. In Imponierhaltung paßagierte er im Hof auf und ab, trompetete seine Anwesenheit hinaus in die Welt, die er erst kennen lernen wollte. Was er nicht wissen konnte, war, daß wir über seinen künftigen Verbleib ernstlich verhandelten und auch nach kurzer Zeit den Zuschlag erhielten.

So wollte es sein Schicksal. Ein Schicksal, das ihn für die nächsten 22 Jahre an unsere Seite stellen sollte.

Die paar Monate bis zum Absetzen durfte Kid noch bei seiner Mutter bleiben. Dann kam noch ein kurzer Auftritt auf einer Fohlenschau in Niederbayern und die endgültige Trennung von Mutter und Heimat.
Das war am 10. August 1988.
Da er am 12. März 1988 geboren wurde, war er also 5 Monate alt, als wir ihn in unseren Pferdehänger buxieren mußten.
In dem wackeligen Gefährt gefiel es ihm überhaupt nicht. Das teilte er uns durch Scharren, Klopfen und empörtem Gewieher deutlich mit. Erst ab Landshut resignierte er und fand sich mit seinem Schicksal ab. Als wir gar nichts mehr hörten, hielten wir besorgt an, weil die plötzliche Ruhe alle möglichen Gedanken aufkommen ließ. Der kleine Kerl war sichtlich froh, endlich eine Ansprache zu haben. Ungestüm versuchte er Kontakt mit uns aufzunehmen. Zu Hause, endlich aus dem engen Hänger befreit, tobte und buckelte er sich auf einer Koppel übermütig, ein bißl auch zornig, aus.

So kam es, daß Kid einen gleichaltrigen Kumpel bekam. Beide erhielten den kleinen Stall neben meiner Garage zugeteilt, von dem aus sie direkt auf die große Hauskoppel gelangten. So war das Problem der einsamen, unglücklichen Hengste ideal gelöst. Beide konnten Hengste bleiben

Die beiden Fohlen konnten unterschiedlicher nicht sein. Der kleine, zierliche Schimmel Ben zeigte sich vital, nervig und voller überschäumendem Temperament. Immer wieder bedrängte er den weitaus ruhigeren Kid, bis der auf die Kampf- und Rennspiele des Arabers einging. Eigentlich war es eine gute Ergänzung. Kid erfuhr auf diese Weise ein tägliches Training, das ihn ziemlich fit hielt. Es war, wie beim Hecht im Karpfenteich. Der kleine New Forest Hengst zeigte sich einfallsreich, bedächtig und verspielt. Mit Vorliebe verwendete er Tränkeimer, Wäsche von der Wäscheleine oder Zweige, die der Wind auf die Koppel wehte, als Spielzeug mit dem er sich stundenlang beschäftigen konnte.

Weil sich Kid so kreativ zeigte, lernte ich ihm das Hinlegen auf Kommando und auch sonst noch kleine Zirkusstückchen.

 
Kid

Als beide Hengste dreijährig wurden, änderte sich ihr gegenseitiges Verhalten ziemlich abrupt. Das heißt, daß Ben aggressiv und unleidlich wurde. Kid durfte nur mehr in den Stall, wenn es der Schimmel erlaubte. Der bestimmte auch, wann und ob das Futter von seinem Partner aufgenommen werden durfte. Kurz um, Ben ließ keinen Zweifel darüber aufkommen, daß er der tonangebende Hengst in der Gruppe war.

Schließlich blieb seine Kastration der einziger Ausweg, den kleinen Araber sozialisieren zu können. Nach überstandener Operation änderte sich allerdings lange Zeit überhaupt nichts. Das weitere Zusammenleben mit Kid, der zwar nicht kastriert, aber umgänglich und freundlich blieb, konnte so nicht beibehalten werden. Ben mußte ausziehen. Nun waren in unserer Herde einige sehr dominante Mitglieder, von denen wir hofften, daß sie den kleinen Querulanten in seine Schranken weisen könnten.

Weit gefehlt.

Ben trieb die ganze Herde in eine Ecke der Koppel, bewachte sie und zeigte durch flinkes Auskeilen und überfallartiges Losstürmen seine absolute Dominanz. Erst nach einigen Monaten pendelte sich das Gleichgewicht wieder ein. Kid und Ben vertrugen sich wieder auf ihrer Hauskoppel und siedelten später mit uns nach Thüringen um.
Mit freiem Blick hinüber in das Saaletal weideten die beiden auf dem Kirschberg gemeinsam mit Schafen gleich unterhalb des Schullandheimes.

Was bei Menschen nicht so gerne gesehen wird, ist bei Pferden ganz normal. Diese haben meist mehrere weibliche Gefährten, die sie auch ganz ungeniert umschwärmen. Kommt dann ein Fohlen zur Welt, dann nennt man es einen Weideunfall. Er bekommt zwar kein Pedigree aber doch alle Liebe seiner Mutter.
Lucie und Urmel waren die Frauen von Kid. Lucie brachte einen Sohn von Kid, nämlich Pumuckl, zur Welt. Urmel erfreute uns mit Filou besonders deshalb, weil sie ihm die charakterlichen Spitzenpoints beider Elternteile vererbte.

Andi, deren besonderer Liebling Kid war, kümmerte sich mit großer Hingabe um den kleinen New Forest-Hengst.
Über die Arbeit beim Reiten entwickelte sich zwischen beiden ein rührendes Vertrauensverhältnis, das durch das Einüben von weiteren Zirkuslektionen deutlich vertieft wurde.
Hinlegen, Verbeugen, Kompliment, Schlafen nach Aufforderung, Hinsetzen, Spanischer Schritt, Winken mit dem Taschentuch und Steigen auf Kommando funktionierten hervorragend und waren jederzeit und überall abrufbar.

Kid

Zur Kirschzeit ernteten Kid und Ben die auf den Bäumen erreichbaren Kirschen .Mit großem Genuß machten sie sich auch über kleine Äste und Blätter her.

Kurz nachdem Kid mit uns in die neue Heimat Thüringen übersiedelte entdeckten wir unter seiner Schweifrübe kleine, schwarze Punkte.
Die ersten Anzeichen eines Melanoms. Eigentlich war diese Krankheit  hauptsächlich bei Schimmel anzutreffen. Von einer Operation wurde allgemein abgeraten. Beschwerden hatte Kid nicht und so stellten wir bei der weiteren Beobachtung fest, daß der vorhandene Zustand stagnierte.

So tröpfelte sein Leben dahin. Wenn Nachbars Pferde vorbeigeführt wurden, begrüßte sie Kid, begleitete sie auch die kurze Strecke am Zaun entlang und widmete dann seine ganze Aufmerksamkeit dem Bewuchs seines reizvollen Kirschberges. Im Herbst 2010 zeigte sich beim Fellwechsel, der, verglichen mit all den Jahren vorher, diesmal besonders langsam erfolgte, das sogenannte Cushing-Syndrom. Eine Krankheit, die bis heute nicht heilbar ist. Das Fell wird kräuselig, wächst lang, stumpf. Ein deutlicher Abbau des Muskelgewebes bewirkt einen durchhängender Rücken. Das Pferd frißt ganz normal, wirkt nicht krank. Bei Kid entwickelte sich am Bauch ein schnell wachsendes Ödem, das ihn stark an der Fortbewegung hinderte.


Der immer freundliche und liebenswürdige Hengst veränderte sich in wenigen Tagen. Er wirkte plötzlich sehr krank. Seine Augen waren glanzlos und wirkten müde und abgespannt.
Ein beängstigender und trauriger Zustand.
Es ist erschütternd, einen so schnellen Verfall beobachten zu müssen, ohne wirklich helfen zu können.

Jede ärztliche Behandlung konnte weder Linderung noch Heilung bringen.  Die einzige, wirkliche Hilfe, die wir Kid noch geben konnten, war das Einschläfern.
Ein letzter Dienst, der wohl zu den traurigsten Entscheidungen zählt.

Kid

 

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