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Urmel

Urmel

Urmel

 

geb. 15. März 1977

gest. 23. März 1997

Ein sonniger Tag im Mai 1985.

Wiesen, Bäume und Sträucher leuchteten bei klarer, föhniger Luft in frischem Grün. Andi und ich nutzten das schöne Wetter und fuhren zu einem Informationsbesuch in das Pferdezentrum von München-Riem in der Graf-Lehndorff-Straße. Zufällig erfuhren wir, daß eben auf dem umliegenden Gelände die Pony-Hengstkörung abgehalten wurde. Wenn wir nun schon mal da waren, wollten wir wenigstens zuschauen. Viele Leute, vorwiegend Männer in bayerischer Tracht standen im Halbkreis um den mit niederen, weißen Rosten und bunten Blumen abgesteckten Rasenplatz. Einige Männer in der vorderen Reihe beobachten fachkundig, die anderen alle eher kritisch die Kommission und das Vorführen der Pferde. Eine Atmosphäre wie auf einem Roßmarkt. Sogar einige krumme Bambus-Händlerstöcke hingen ungenutzt am Unterarm von meist korpulenten, knorrigen Typen.

Ein geschäftiger junger Mann in Cowboylook fiel uns wegen seines hübschen Welsh-Hengstes auf. Als seine Vorstellung beendet war unterhielten wir uns mit ihm. Über 30 Shetties in verschiedenen Größen habe er auf seiner "Ranch" in der Nähe von München. Einige davon wollte er abgeben, erzählte er Andi und mir. Das interessierte uns. Schon seit einiger Zeit hatten wir nämlich die Absicht unseren Shetland-Pony-Bestand etwas zu vergrößern. Viele Kinder die zu uns auf den Hof kamen, fühlten sich auf diesen kleinen Pferden wohl. Wenn sie geführt wurden, hatten sie keine Angst; sitzen sie dabei doch nicht so hoch über dem Boden. Das macht sie sicherer. Sie bleiben gelöst und geschmeidig und lernen schnell in die Pferdebewegung einzugehen. Außerdem, ganz wichtig: Kleine Kinder müssen das Gefühl für ihr Gleichgewicht erst lernen. Auf den Shetties geht dies relativ schnell.

Ja, eigentlich wollte ich von Urmel erzählen. Dies hier ist sozusagen die Vorgeschichte. Man könnte auch sagen, das "Schicksal" hatte uns schon längst wieder einmal an die Hand genommen. Alles lief am Schnürl und ging unaufhaltsam seiner Bestimmung entgegen.

Urmel

Am 16. Mai hielt es uns nicht mehr zu Hause. Wir koppelten den Pferdehänger an meinen PKW und los gings zur "Ranch". Es war wirklich eine Ranch in Holzbauweise mit Saloon, Pferdestallung und "store", wo Reitkarten verkauft wurden. Auf dem sandigen Vorplatz herrschte hektischer Trubel. Ponies in allen Größen kamen von einem Halbstundenausflug auf umzäunten Wegen zurück, wurden getränkt und wieder neu besetzt. Die Kunden zeigten eine Nummer her und warteten auf das Pferd, das die gleiche Nummer trug. Der Eigentümer der Anlage sorgte emsig mit einigen Helfern für einen reibungslosen, schnellen Ablauf. Für uns hatte er verständlicher Weise nur wenig Zeit. Die Shetties, die er uns anbot, gefielen uns nicht oder waren zu teuer. So schlenderten Andi und ich durch die umliegenden, niedrigen und muffigen Stallungen.

In fast völliger Dunkelheit fanden wir in einem ehemaligen, engen, gemauerten Schweinekoben eine mittelgroße Welsh-Stute. Bei geöffneter Türe stahl sich ein matter Lichtschimmer in den Raum. Zwei große, dunkle, freundliche Augen blickten uns an und ließen uns nicht mehr los.
Ein tapsiger junger Kerl, der einen leicht behinderten Eindruck machte, sich aber sehr wichtig fühlte, drängte sich auf und plauderte wirres Zeug. Anscheinend war er so eine Art Faktotum auf dem Hof. Ich wollte wissen, was es mit der Rotfuchsstute in dem dunklen Verlies auf sich hatte und steckte ihm ein paar Mark Trinkgeld zu. Sofort war er gar nicht mehr zu bremsen. Er sah in uns die potenten Käufer, die helfen mußten. Das Pferd muß weg. Es paßt nicht für den Betrieb. Keiner kann es reiten. In seiner Einfalt erzählte er auch noch, daß es sich mit Sattel einfach zu Boden wirft. Sonst, meinte er, sei sie brav und zutraulich, eher ängstlich.
Ich beobachtete den Kerl und wurde den Eindruck nicht los, daß er das Pferd mochte. Auf seine Art wollte er ihm helfen. Wir führten die Stute auf den Vorplatz und fanden großen Gefallen an ihr. Andi setzte sich kurz drauf. Das Pferd zeigte sich von seiner besten Seite. Und wieder diese großen, braunen Augen. Sie verliehen diesem hübschen, sanften Pony einen ganz besonderen Glanz. Das Faktotum strahlte mit dem offenen Gesichtsausdruck eines kleinen, ehrlichen Kindes. Er war stolz darauf, daß wir Gefallen gefunden hatten. Auch der Cowboy schien froh darüber zu sein, das Pferd los zu werden. Und wir, Andi und ich freuten uns ebenso, weil wir keinen Zweifel hatten, mit der Stute eine gute Partnerschaft aufbauen zu können. Der Preis war in Ordnung und der Handel schnell besiegelt. Wir nannten sie Urmel, klickten den Führstrick ein und merkten, daß Urmel uns freudig und willig folgte. Auf den Hänger rannte sie geradezu hinauf. So als wollte sie demonstrieren: Nichts wie weg von hier. Uns ging es ganz genauso.

Zu Hause bestätigte sich alles, was wir gehört und gesehen hatten. Ein verängstigtes aber gutmütiges Pferd. In seiner Pein und in seiner Verzweiflung wußte es sich nicht anders zu helfen, als sich einfach hin zu legen. Ich finde nicht nur eine anständige, sondern für ein Pferd auch sehr kluge Reaktion. Wie anders sollte es auch seine Hilflosigkeit ohne Aggression zeigen.

Wir brachten sie einfach für die nächsten fünf Monate zur allerbesten Pferdepsychologin, die es gibt. Auf die grüne, beruhigende Koppel mit dem unendlich weiten, blauen Dach nämlich.

Urmel

In der Zwischenzeit können wir uns nun in aller Ruhe damit befassen, was wir alles über die Urmel erfahren konnten.

1977 am 15. März wurde sie als Tochter von Ala Fair Day geboren. Ihr Vater war Louisdor, der seinerseits von "Lausbub" abstammte.

Die erste Zeit ihres Lebens verbrachte sie unter dem Namen "Anke" mutmaßlich bei ihrem Züchter, dem Herrn Albert Steet in Stadtschwarzach bei Kitzingen.
Wie viele Menschen sich später an ihr versuchten und durch wie viele Hände sie ging, wissen wir nicht.
Sicher ist, daß zu viele verständnislose und strafende Einflüsse ihrer feinnervigen Natur gar nicht gut taten.

1985 am 16. Mai haben wir, wie berichtet, die Urmel gekauft und sofort mit in die Brandau genommen.
Die Umstellung auf einen neuen Standort braucht bei Pferden in der Regel seine Zeit. Wenn darüber gar ein Jahr vergeht, ist es immer noch ganz normal. Urmel fand sich erstaunlich schnell in der neuen Herde ein. Sie ging Auseinandersetzungen aus dem Weg. Selber war sie absolut nicht aggressiv. Außerdem war sie für jeden Ausdruck von Zuneigung und für Freundlichkeit bei Mensch und Tier dankbar.
Andi, die von jeher nicht nur ein Herz, sondern auch ein feines Händchen für gequälte Kreaturen hatte, gewann bald ihr Vertrauen.
Außerdem ging jeder auf unserem Hof mit Urmel ganz selbstverständlich um. Es war auch nicht schwer, sie zu respektieren. Bei unseren Kindern und Jugendlichen, für die ein neues Pferd sowieso besondere Aufmerksamkeit genoß, hatte sie sehr schnell Fans. Diese sorgten für reichlich Streicheleinheiten und knauserten auch nicht mit Leckerlis.

Im Oktober 1985 begann für Urmel wieder der "Ernst des Lebens". Eigentlich war es aber gar nicht so ernst. Eher unterhaltsam.
Andi ging die Sache ganz ruhig an. Genau so wie mit einer sensiblen Remonte. Da nicht geschimpft, hauptsächlich gelobt und jede, auch geringe Leistung belobt wurde, kamen sich die beiden auch bei der Arbeit sichtlich näher.
Der Sattel wurde bald nicht mehr als Folterwerkzeug oder als Auftakt zu böser Quälerei empfunden. Andi durfte sich sogar drauf setzen und sitzen bleiben wenn ich die Urmel im Schritt führte.
Sehr schnell war auch ein Führen nicht mehr notwendig. Ganz offensichtlich war es geschafft.

Auf mein unnachgiebiges Drängen wechselten wir schließlich die Reiterin.
Ute wurde auserkoren.

Natürlich ging es daneben. Urmel zauderte nicht lange und legte sich sofort wieder hin. Unmittelbar darauf klappte es jedoch einwandfrei mit Andi als Reiterin. Es war gar nicht schwer einen kleinen Triumph in Andis Augen glitzern zu sehen

Urmel Wer Andi nämlich kennt, weiß, daß Problemtiere die sie betreut, auf lange Zeit unter ihrem persönlichen Schutz stehen. Sie empfindet eben eine tiefe Zuneigung zu ihnen.
Die Tiere wiederum, ausgestattet mit unvorstellbar feinen Sensoren, fühlen das Signal. Das ist dann der Beginn einer vertrauensvollen Freundschaft.
Wie dies so ist im Leben: Gute Freundschaft muß gepflegt, Bedürfnisse erkannt und Unterstützung vorbehaltlos gewährt werden. Es wäre wohl zu einfach, wenn dies alles wäre. Die eindeutige, konsequente Körpersprache spielt natürlich unter anderem auch eine große Rolle. Eigentlich ganz klar. Wie sollte denn kommuniziert werden, wenn so gar kein Verständigungsmittel gefunden würde. Nur freundlich, klar und eindeutig sollte es sein.

Im Laufe der Zeit verschwand bei Urmel auch noch das letzte Quäntchen Angst und Mißtrauen.
Die ersten, schon fortgeschrittenen Reitschüler wurden akzeptiert und schließlich avancierte Urmel zum beliebtesten Schulpferd in der Brandau. Sie ließ sich sehr gut sitzen. Somit verhalf sie vielen Eleven zum geschmeidigen Eingehen in die Bewegung. Springen tat sie nicht so gerne. Gute Reiter hatten dabei allerdings auch kein Problem.
Rührend war Urmel bei Kindern, die erste Reitschwierigkeiten noch nicht überwunden hatten. Mit denen ging sie besonders behutsam um.
Urmel
Urmel Urmel
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Ihre mütterliche Art einerseits und ihre Freundlichkeit beim Umgang mit Kindern andererseits, weckten in uns den Wunsch, von ihr Nachzucht zu bekommen. Als Vater wählten wir unseren braven New Forest Hengst "Kid". Ob dabei eine Rolle gespielt hat, daß Kid auch Andis Liebling war, kann ich heute nicht mehr sagen.

Urmel und Filou 1994 am 11. Januar jedenfalls kam Filou auf die Welt.
Eigentlich hatten wir ihn erst ein paar Tage später erwartet. Die Überraschung war deshalb groß, als Andi bei der Morgenfütterung neben Urmel auch deren Sohn begrüßen konnte.
Ich war damals schon die meiste Zeit in Zöthen, erfuhr aber am Telefon 15 Minuten später von dem freudigen Ereignis.

1995 verließ Urmel und natürlich auch Filou mit uns Bayern. Ein Teil ihrer Reiter blieb ihr treu und kam zu Ferienkursen noch oft nach Thüringen.

Am 23. März 1997 ist Urmel, erst 20 Jahre alt, an einer Kolik gestorben.

12 Jahre durfte sie mit uns leben. Sie war eine liebenswerte, viel geliebte und hoch geschätzte Partnerin.
Ich weiß nicht, ob sie die Zeit im Schweinekoben vergessen hat. Manchmal allerdings hatte ich den Eindruck als wollte sie uns zeigen, daß sie sich bei uns wohl fühlte.
In ihrem Sohn Filou, der viele ihrer Eigenschaften vererbt bekam, lebt sie bei uns weiter.

Urmel
 
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